Auf dem besten Weg zum Entropietod

Warum verhalten wir uns wie das Universum? Und wäre anders nicht besser?

Das Universum dehnt sich beschleunigt aus und wird immer wärmer und durchmengter. Alles scheint darauf hinauszulaufen, dass es aufgrund von fehlenden Unterschieden, also maximaler Gleichheit, den Entropietod, bzw. Wärmetod sehen wird. Das bedeutet, dass alles so lange miteinander reagiert, bis nichts mehr zum Reagieren, also nur noch Wärme übrig ist. Alle aktiven Objekte, die wir im Nachthimmel sehen, steuern unaufhaltbar darauf hin, durch Mangel an Potenzialen ausgelöscht zu werden – uns inbegriffen, falls es uns bis dahin noch gibt.

Wir Menschen heben uns durch eine grundlegende Frage maßgeblich von anderen Lebewesen auf diesem Planeten ab: Warum?

Warum entstehen Blitze? Warum regnet es? Warum benötigt Leben auf unserer Erde Sauerstoff zum überleben? Die Kunst warum-Fragen zu stellen meistern wir. Kein anderes uns bekanntes Lebewesen hat so viele Fragen gestellt und auch beantwortet, wie wir Menschen. Mit dieser Fähigkeit haben wir es bis zum Mond und zurück geschafft.

Zeitweilen hat es den Anschein, als würden wir uns der natürlichen Gesetzmäßigkeit der Entropie widersetzen. Wir erschaffen Dinge. Wir bauen hochkomplexe Maschinen, die alles andere sind als ein Topf entropiereicher lauwarmer Brühe, aus der wir kommen. Und die Komplexität nimmt zu. Jede neue Generation unserer Spezies entwickelt kompliziertere Technik und ist klüger als die vorherige.

Doch wie sieht es mit uns als Weltgesellschaft aus?

So betrachtet fällt schnell auf: Wir Menschen lieben Entropie. Genauer gesagt, dazu gehören. Den meisten von uns ist es ein Bedürfnis sozial integriert zu sein. Vor Isolation haben wir Angst, starke Angst. Zu Recht: Echte Isolation kann schon nach wenigen Tagen zu bleibenden Schäden führen. Aus diesem Grund wollen wir dazu gehören und sind zu etwas so seltsamem wie Lampenfieber fähig: die Angst vor Ablehnung, der daraufhin folgenden Isolation und der Möglichkeit des Todes dadurch – so überzogen das auch klingen mag, denn:

Anxiety, as fear of social separation, might help save the individual from being cut off from the life-sustaining group.

Das Bedürfnis nach Gleichheit ist also sehr menschlich. Andersartige Dinge machen uns Angst. Clowns mit Luftballons, die in der Kanalisation lauern zum Beispiel. Das fängt aber bereits klein an. Der Glauben, die Vorlieben, sogar die Farbe unserer Mitmenschen können uns zu den wahnwitzigsten angstgetriebenen Taten bringen und haben es auch bereits. Alles mit einem Ziel: Abschaffung von allem, das anders ist. Doch ist das sinnvoll?

Die Globalisierung lässt uns die Sprachen von anderen Menschen lernen, in Schulen wird nicht mehr nur die Geschichte des eigenen Landes gelehrt. Seit es das Internet gibt, sind wir alle Teil einer großen, vergleichsweise sehr homogenen Gemeinschaft. Die Hälfte von uns könnte schließlich auch Kaltblüter sein.

So wie es scheint, liegt uns trotz unserer Fähigkeit hochkomplexe Strukturen zu schaffen Entropiemaximierung im Blut. Wir werden immer durchmischter. Die Lehre der Entropie zeigt aber auch: Vor großer Homogenität und daher hoher Entropie gibt es immer auch eine turbulente Phase in der komplexe Gebilde entstehen. Wie beim Mischen von Kaffee mit Milch. So finden auch unsere Konflikte Parallelen zum großen Ganzen und führen am Ende zu größerer Homogenität.

Im Menschsein halten wir uns also an den Leitfaden, den uns das Universum vorgibt. Gut für uns.

Oder nicht?

Vielleicht sollte es unser Interesse sein, hohe Entropie zu vermeiden, wenn wir langfristig überleben wollen. Jede Energie, die wir in Wärme umwandeln und ins All abstrahlen beschleunigt den Entropietod (mal ganz abgesehen vom Klimawandel). Nicht, dass wir als Menschheit viel für das gesamte Universum ausrichten könnten. Aber eines sollte dennoch klar werden: Ungleichheit ist gut für uns! Sie bietet Raum für Potenzial, für komplexere, spannendere Gebilde. Wenn wir alle gleich wären, gäbe es nichts mehr zu tun. Wenn alle Energie Wärme ist, kann kein Leben mehr existieren.

Mein Vorschlag deshalb: Gegen den Strom schwimmen. Nicht wie alles im Universum sein. Ungleichheit fördern könnte eine schöne, sinngebende Maxime sein, die selbst ohne höhere Macht Gültigkeit besitzt und deren Umsetzung dem Universum dient.

Mischen